Die Geschichte Ortigias
Von der griechischen Kolonie zur Hauptstadt des Mittelmeers, vom Erdbeben zur barocken Wiedergeburt: 2.700 Jahre auf einem Quadratkilometer.
Ortigia ist kein Viertel wie jedes andere: Es ist genau der Ort, an dem Syrakus entstand, und jahrhundertelang war es ganz Syrakus. Jede Zivilisation des Mittelmeers kam über diese Insel und hinterließ Steine, Worte und Geschmäcker.
Der Name kommt vom griechischen „ortyx", der Wachtel, vielleicht wegen der Form der Insel. Für die Griechen war sie Artemis und Apollon geweiht; für uns ist sie eine der vielschichtigsten Altstädte der Welt.
Die griechische Gründung
Korinthische Siedler unter Archias landen auf Ortigia und gründen Syrakousai. Die Insel mit der Arethusa-Quelle und zwei natürlichen Häfen ist der perfekte Ort: Süßwasser, Verteidigung, Handel. In wenigen Jahrzehnten wächst die Stadt zur Macht heran.
Das große Syrakus
Nach dem Sieg von Himera über die Karthager (480 v. Chr.) erlebt Syrakus sein goldenes Jahrhundert: Der Athenatempel (heute der Dom) entsteht, die Stadt besiegt Athen im großen Feldzug von 415-413 v. Chr. und wird zur mächtigsten griechischen Stadt des Westens.
Archimedes und die Römer
Während der römischen Belagerung stirbt Archimedes, der größte Wissenschaftler der Antike und Sohn von Syrakus. Die Stadt wird Hauptstadt der römischen Provinz Sizilien, doch der Schwerpunkt der Macht verschiebt sich: Ein langer Niedergang beginnt.
Byzantiner und Araber
Fünf Jahre lang ist Syrakus unter Konstans II. Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. 878 erobern die Araber die Stadt: Sie bringen Zitrusfrüchte, Mandeln, neue Anbautechniken und jene Form der Märkte, die heute noch zwischen den Ständen Ortigias lebt.
Normannen, Staufer und die Giudecca
Die Normannen bringen das Christentum zurück, Friedrich II. errichtet das Kastell Maniace (1232-1240). Die seit Jahrhunderten ansässige jüdische Gemeinde blüht in der Giudecca bis zur Vertreibung 1492 und hinterlässt eine der ältesten Mikwen Europas.
Das Erdbeben und der Barock
Am 11. Januar 1693 verwüstet ein schweres Erdbeben Ostsizilien. Ortigia wird im Zeichen des Barock wiedergeboren: die Piazza Duomo, die Fassade Andrea Palmas, die Adelspaläste. Die Katastrophe wird zum Anlass für einen der außergewöhnlichsten Wiederaufbauten der europäischen Geschichte.
Niedergang und Wiedergeburt
Im 20. Jahrhundert leert sich Ortigia: Die Familien ziehen in die neuen Viertel, die Insel verfällt. Ab den 1990er-Jahren beginnt die Renaissance: Restaurierungen, Handwerk, Tourismus. 2005 nimmt die UNESCO Syrakus in das Welterbe auf.
Geschichte, im Gehen erzählt
Jede Epoche dieser Geschichte hat in Ortigia eine sichtbare Spur hinterlassen: Der Audioguide erzählt sie eine nach der anderen – direkt vor den Steinen, die sie bewahren.
Audioguide →Ortigia mit dem Audioguide entdecken
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